Werke: erzählerisch

 

Der erzählerische Werk-Komplex ist, obwohl methodische Ansätze und künstlerische Mittel aus Tanja Guntrums anderen Werk-Komplexen einfließen, gesondert zu betrachten. In den Gemälden finden sich deutlich gegenständliche Bezüge, die ihre thematischen Wurzeln in der symbolistischen Kunsttradition und der phantastischen Literatur haben.

So suchten Ende des 19. Jahrhunderts die Künstler, die heute unter der Bezeichnung der Symbolisten subsumiert werden, nach einem Ausdruck für die Seele. Ihre immer rationaler und materialistischer werdende Zeit ließ ihnen ihrer Meinung nach keinen Raum für Ideale und Träume. Sie schufen Werke, mit denen sie auf die Suche nach dem gingen, was den Menschen ausmachen könnte, jenseits der rationalen Welt.

 

Alter Idem

 

Acryl auf Leinwand | 60 x 80 | 2020

 

€ 700,-

 

 

 

Fällt der Blick zum ersten Mal auf das Gemälde fühlt man sich an schwarz/weiß Filme der 60er Jahre erinnert. Unwillkürlich erklingt im Kopf ein düsterer Soundtrack, der von einem Antihelden kündet. Es ist schwer in Wort zu fassen, warum das sich distanziert gebende Gesicht den Betrachter trotzdem einfängt. Es sind nicht nur die warmen Augen, deren helles Braun die einzige buntfarbige Fläche in dem unbunten Gemälde ist. Es ist nicht allein der Reflex in der Pupille, der von Leben kündet. Es sind auch die dunkel-intimen malerischen Gesten, die dem Gesicht Leben einschreiben. Sie bestimmen, wie ein musikalischer Grundton, den Ausdruck des Gesichts und damit des Gemäldes. Die horizontalen und vertikalen Bewegungen des Pinselduktus scheinen ein lockeres Gespinst zu bilden hinter dem sich der uns Unbekannte verbirgt, dass aber gleichzeitig in seine Oberfläche einbeschrieben zu sein scheint. Ver- oder entschleiert es den Protagonisten? Ist er eine reale Gestalt, die ins Licht tritt oder handelt es sich um den manifest gewordenen Ausdruck der inneren Stimme? Und über allem liegen weiße Formen, die wie Risse daherkommen. Sie öffnen nicht die Leinwand und zeigen ein Dahinter. Sie öffnen nicht die Person und zeigen eine tiefere emotionale Ebene. Sie stellen nicht die Malerei als solche bloß und legen die Malmittel frei. Sind es also Risse im Gefüge der Bildebenen oder Risse zwischen Deutungsebenen? Sie können aber auch Gestalt gewordener Ausdruck eines inneren Soundtracks sein, denn der Titel „Alter Idem“ ist dem Ausspruch Ciceros aus Laelius de amicitia 21, 80 entlehnt, in welchem er schreibt, dass ein wahrer Freund gleichsam ein zweites Selbst ist. Sind das Gesicht, der düster-melancholische Soundtrack und die Erinnerungen an schwarz/weiß-Filme also mein zweites Selbst? Die Mehrdeutigkeit der Darstellung ist nicht nur Teil der ersten Faszination – sie fordert dazu auf hinzuschauen und sich selbst zu befragen.

 

 

 

Intermissum

 

Acryl auf Leinwand | 68 x 90 | Alu-Traverse  2019

 

€ 790,-

 

 

Bilder haben in unserer Gesellschaft eine zentrale kommunikative Funktion. Ohne Worte sprechen Künstler und Betrachter miteinander mit einem Symbolsystem ähnlich der Musik. Dieses eröffnet beiden eine eigene, durch kein anderes System ersatzbare Möglichkeit, Erlebnisse zu verarbeiten, Bedürfnisse zu äußern oder eigene Erfahrungen und Sichtweisen zu strukturieren und zu entwickeln. Hier setzt das Diptychon „Intermissum“ an. Vom ersten Moment an, wenn der Blick auf das Gemälde fällt, vermittelt sich eine kühle musikalische Qualität über Duktus und Form. Der gespachtelte, gekratzte Pinselduktus hebt die Form von der nur durch wenige weiße, bleistiftdünne Linien strukturierten Leinwand ab. Die erdige, eisige Farbigkeit des aufgebrochenen Rings legt sich auf den schneeweißen Grund, lässt den Ring plastisch hervortreten. Die grafische Qualität des Duktus wird unterstützt durch die vier, nach außen geöffneten Kreissegmente. Sie wiederholen zwar die zentrale Form, konterkarieren jedoch ihre Plastizität. Zwischen den beiden Hälften, glatter, harter, runder, klar konturierter Stahl. Hier, am Übergang zwischen zweidimensionalem Gemälde und haptischen Relief wird die Wahrnehmung zum eigentlichen Thema. Im Spannungsfeld zwischen verbunden und doch getrennt, zwischen plastischer und grafischer Malerei, zwischen stark strukturiertem Ring und glattem Grund, zwischen Gemälde und Relief entsteht Wahrnehmung. Über die farbige Qualität gesellt sich eine klanglich kühle Dimension hinzu und vervollständigt das Seherlebnis.

 

 

 

 

Desiderium

 

Die tiefe Sehnsucht nach einer fremden Welt, die es zu erkunden gilt. 

 

Acryl auf Leinwand | 80x 80 | 2020

 

€ 800,-

Zwischenwelt V

So wie jedes Stück Rinde ein Unikat ist und von ‚seinem‘ Baum erzählt, so erzählt auch jedes Bild dieser Serie eine ganz persönliche Geschichte. Rinde schützt nicht nur den Baum, sondern zeugt vom Keimen, Wachsen und Gedeihen. Schon Seneca schrieb: „Wenn du einem Hain nahst, der mit alten, ungewöhnlichen hohen Bäumen bestanden ist, ruft das Geheimnis des Ortes… in dir den Glauben an eine Gottheit wach.“ Bäume sind seit alters her Gegenstand der Verehrung durch Menschen. Sei dies der Baum der Erkenntnis, Ygdrasil oder der Bodhi-Baum. Rinde erzählt aber auch vom Vergehen, von einem Moment der Vergänglichkeit, der ans Innehalten gemahnt. Diese beiden Seiten von Licht und Schatten klingen in jedem Bild der Serie Zwischenwelt an. Das, was einst den Baum beschützte wurde abgestoßen und vergessen. Doch wieder gefunden und aufgesammelt, bekommt es durch den goldenen Glanz ein neues Leben, eine zweite Chance, seine Geschichte zu offenbaren.

 

Acryl/Treibholz auf Leinwand | 80 x 120 | 2016

€ 920,-

 

AETERNITAS

 

Acryl auf Leinwand

60 x 60

2019

 

€ 570,-

 

 

 

DARK SILENCE

Acryl auf Leinwand

60 x 120

2019

 

€ 890,-

 

 

 

WHITE SILENCE

Acryl auf Leinwand

70 x 120

2020

 

reserviert

 

 

 

 

KRIEGER

 

Acryl auf Leinwand

80 x 100

2015

 

€ 890,-

 

 

Gedankenspiele

Die aus dem Dunkel aufleuchtende, weiße Kugel will entdeckt, genussvoll mit einem langsam wandernden Auge erkundet werden. Zunächst kompakte Kugel löst sie sich durch das zartbunte Liniengeflecht an den Rändern auf. Tanja Guntrum sucht und findet in ihren Bildern – nicht immer das, was sie beabsichtigt – sondern sie legt Schicht um Schicht übereinander, bis das Unverwechselbare, das so-nicht-Sichtbaren zu Tage tritt, bannt damit ihre künstlerischen Gedankenspiele auf die Leinwand.

 

Acryl auf Leinwand | 80 x 80 | 2019 

VERKAUFT

 

 

 

DIE REISE

 

Acryl auf Leinwand

80 x 100

2015

 

€ 890,-

 

 

ICH SEHE DICH

Acryl auf Leinwand

80 x 80

2017

 

€ 790,-

 

 

ONEIROI

 

Acryl auf Leinwand

80 x 100

2015

 

€ 890,-

 

 

GOLDEN SILENCE

Acryl auf Leinwand

40 x 60

2019

 

€ 490,-

 

 


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